Page 274 - Weiss, Jernej, ur./ed. 2026 Skladateljska društva nekoč in danes.../Composers’ Societies Past and Present...
P. 274

Skladateljska društva nekoč in danes | Composers’ Societies Past and Present
            (UKH) Ende 1970 ihren Namen in „Verband kroatischer Komponisten“
                                           3
            (Društvo hrvatskih skladatelja).  Politische Veränderungen in Jugoslawi-
            en ermöglichten es der kroatischen Delegation auf dem 6. SAKOJ-Kongress
            im Jahre 1971 durchzusetzen, dass die von der ZAMP in Kroatien erziel-
            ten Einnahmen nicht nach Belgrad geschickt, sondern bis zur Verteilung in
            Kroatien verbleiben. Dies stellte damals einen kaum vorstellbaren Schritt
            in Richtung finanzieller Unabhängigkeit des Verbandes und ihrer Mitglie-
            der dar. Folglich wurde die ZAMP 1982 zu einer operativen Einheit des Ver-
            bandes, was bis heute Bestand hat.
                 Unter dem Vorsitz von Stanko Horvat (1973–1979) wurde die Veranstal-
            tung „Tage der kroatischen Musik“ (Dani hrvatske glazbe) ins Leben gerufen,
            möglicherweise ein Äquivalent zu den „Slovenski glasbeni dnevi“. Diese fand
            bis 2004 statt. 1978 legte Horvat dem Verband ein Manifest zur Diskussion vor,
            in dem er eine erhebliche Erweiterung der Aktivitäten vorschlug – eine Vision
            für die Zukunft, die viele Ähnlichkeiten mit dem aufweist, was der Verband
            im 21. Jahrhundert geworden ist. In dieser Zeit wurde auch das Musik-Infor-
            mationszentrum (MIC) gegründet, zunächst unter der Leitung des Komponis-
            ten Marko Ruždjak. Obwohl es nie Teil des HDS war, erbringt das MIC ergän-
            zende Dienstleistungen, die für kroatische Komponisten von Bedeutung sind.
                 Wie in den vorherigen Jahrzehnten gab es kontinuierliche Beschwer-
            den über die Arbeit des SAKOJ (seit 1965 SOKOJ, d. h. der Verband der
            Organisationen der Komponisten Jugoslawiens) und seine Dienste. Das
            häufigste Problem war die Zurückhaltung finanzieller Mittel (die aus der
            Nutzung urheberrechtlich geschützter Musikwerke in ganz Jugoslawien
            gesammelt wurden) in Belgrad, wo sie (aufgrund der Dinar-Inflation) für
            Zeiträume angelegt wurden, die eine Auszahlung an die eigentlichen Ur-
            heber verhinderten. In verschiedenen Phasen während des 40-jährigen Zu-
            sammenlebens des Verbandes und der Vereinigungen aus den Teilrepubli-
            ken wurden unterschiedliche Lösungen vereinbart und wieder aufgegeben,
            bis es Anfang der 1990er Jahre zur endgültigen Trennung kam.
                 1987 wurde der 29-jährige Komponist und Jurist Ivo Josipović zum
            neuen Sekretär des Verbandes ernannt. In den folgenden 14 Jahren führ-
            te er eine radikale Reform durch und blieb bis 2010 als Berater, Präsidi-
            umsmitglied und Direktor der Musikbiennale Zagreb mit ihr verbunden.
            In diesem Jahr wurde er zum Präsidenten der Republik Kroatien ge-
            wählt. Josipović übernahm den Verband in einem schlechten Zustand – er
            war gespalten und befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. Bis 1990 s

            3    Ibid., 22.


            274
   269   270   271   272   273   274   275   276   277   278   279