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Weiss, Jernej, ur. 2026. Skladateljska društva nekoč in danes: preplet stanovskega in nacionalnega | Composers’ Societies Past and Present: Combining the Professional and the National
                         Koper/Ljubljana: Založba Univerze na Primorskem in Festival Ljubljana. https://doi.org/10.26493/978-961-293-555-9.59-80
                         © 2026 Lidia Melnyk







                 Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs:
                 die unvollendeten Geschichten ukrainischer
                 Komponistenverbände der 1920–30er Jahre

                 Lidia Melnyk
                 Univerza v Lvovu
                 Universität Lwiw




            Die Komponistenverbände in den Republiken der Sowjetunion werden
            heute zu Recht in erster Linie als ideologisches Instrument der Kommu-
            nistischen Partei zur Unterdrückung und Kontrolle jeglicher kreativen
            Prozesse gesehen. Von Anfang an waren sie jedoch nicht unbedingt Len-
            kungs- und Kontrollinstrument der Partei, sondern eine relativ autonome
            Interessenvertretung der professionellen Musiker.
                 Wie auch Matthias Stadelmann in seinem Artikel „Musik und Macht:
            Komponieren in der frühen Sowjetunion“ betonte, waren in diesen Zeiten
            die sowjetischen Komponisten
                 weder Opfer der Partei, noch deren Diener, sondern Gestalter aus ei-
                 gener Kraft. Der Komponistenverband war eine mächtige selbstständi-
                 ge Institution, die um die Kontrolle des Musiklebens rang. Zwar konn-
                 ten Musiker nicht gegen das politische System handeln, doch die Partei
                 kümmerte sich – im Gegensatz zum Feld der Literatur – recht wenig um
                 die Musik und griff nur in seltenen Fällen ein.
                 Die Impulse, die zur Gründung der ersten Künstlervereinigungen
                 führten, werden in der Forschung weitaus seltener berücksichtigt.  1
                 Das Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die vielschichtige, facetten-
            reiche, oft romantische und hoffnungsvolle, aber immer noch fast unbe-
            kannte Geschichte – oder sogar mehrere Geschichten – darzustellen, die
            1    Matthias Stadelmann, „Musik und Macht: Komponieren in der frühen Sowjetuni-
                 on“, Osteuropa 60, Nr. 7 (2010): 184.


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