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Skladateljska društva nekoč in danes | Composers’ Societies Past and Present
            die Gründung der Republiken suchten, erkannten, dass dieser Prozess
            nicht aufzuhalten war, und beschlossen, sich an seine Spitze zu stellen. In
            der neugegründeten Ukrainischen SSR wurde diese Politik als „Ukraini-
            sierung“ bezeichnet.
                 Die „Ukrainisierung“ brachte in den 1920er Jahren bedeutende Fort-
            schritte in den Bereichen Bildung, Kultur und Wissenschaft. 90 Prozent
            der Schulen und der Schriften, sowohl Bücher, als auch die Presse, waren
            ukrainisch. Es wurde die Freie Akademie für proletarische Literatur ge-
            gründet, die Ukrainische Akademie der Wissenschaften und sogar die Uk-
            rainische Autokephale Orthodoxe Kirche wiederbelebt. Wie auch Andre-
            as Kapeller vermerkte:

                 Die relativ liberalen Bedingungen der zwanziger Jahre erlaubten eine
                 Entfaltung der ukrainischen Kultur. Opern, Theaterstücke und Run-
                 dfunksendungen wurden zunehmend ukrainisiert. In der ukrainischen
                 Literatur wetteiferten eine modernistische, eine neoklassische und
                 eine proletarisch-sozialistische  Strömung miteinander.  Als eigenwil-
                 liger Vertreter einer neuen ukrainischen sozialistischen Literatur trat
                 Mykola Chvyl’ovyj (1893–1933) mit seiner Freien Akademie für prole-
                 tarische Literatur hervor. Allerdings kam Chvyl’ovyj mit seiner Pole-
                 mik gegen die Abhängigkeit der ukrainischen von der russischen Kul-
                 tur (vom „Allunions-Kleinbürgertum“, wie er sie despektierlich nannte)
                 und seinem Appell einer Orientierung nach Westeuropa bald in Kon-
                 flikt mit der Zentrale und wurde des bürgerlichen Nationalismus bezi-
                 chtigt. Gefördert wurde auch die ukrainische Wissenschaft. Die neu be-
                 gründete Ukrainische Akademie der Wissenschaften entfaltete breite
                 Aktivitäten. Eine Reihe von ins Ausland emigrierten Wissenschaftlern
                 kehrten nach Kyjiw zurück.  5
                 Im Rahmen des Konzepts der „Ukrainisierung“, das einerseits eine
            Fortsetzung der positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre darstell-
            te, andererseits jedoch den engen und in hohem Maße pragmatischen Inte-
            ressen der neuen Macht diente, wurde es selbstverständlich, gerade die uk-
            rainische Komponente des musikalischen Kulturerbes der Ukraine als jene
            anzuerkennen, die den gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprach. Die Fol-
            gen dieser Entwicklung waren ambivalent, wie auch ukrainische Musik-
            wissenschaftlerin Maiia Rzhevska betont:

                 Die positive Seite der Situation bestand darin, dass die ukrainische
                 Kunst erstmals ein dauerhaftes, konsequent strukturiertes Unterstüt-

            5    Andreas Kappeler, Kleine Geschichte der Ukraine (München: Beck, 2024), 193.


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