Page 63 - Weiss, Jernej, ur./ed. 2026 Skladateljska društva nekoč in danes.../Composers’ Societies Past and Present...
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Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs
zungssystem seitens des Staates erhalten hat und in diesem Zusammen-
hang spürbare Präferenzen genoss. Die Kehrseite dieser Situation
bestand darin, dass die staatliche Unterstützung die Kunst in einem
bisher nicht gekannten Maße abhängig machte – bis hin zur physi-
schen Vernichtung von Künstlern, die den vorgegebenen Kriterien ni-
cht entsprachen und daher als hinderlich betrachtet wurden. Im Verla-
uf der 1920er Jahre entwickelte sich eine umfassende Reglementierung
des künstlerischen Schaffens. Deren fortschreitende Bürokratisierung
verlagerte sich von Diskussionen, Empfehlungen und Wünschen hin
zu strengen Vorschriften, deren Nichterfüllung unweigerlich den schri-
ttweisen Entzug des Rechts auf Berufsausübung zur Folge hatte. 6
Die Prozesse der „Ukrainisierung“ begünstigten auf jeden Fall die
Gründung verschiedener Künstlerverbände, darunter im Bereich der Mu-
sik. So ist es kein Zufall, dass das Komitee zum Gedenken an M. Leonto-
wytsch bald 53 Mitglieder zählte, darunter 45 Einzelpersonen und 8 In-
stitutionen. Es muss jedoch besonders betont werden, dass die Musiker
nur etwa die Hälfte davon ausmachten: Es scheint, als hätten sich nach M.
Leontowytschs Tod einfach die fortgeschrittensten Künstler seiner Zeit
zusammengefunden.
Das Komitee wurde von anderen bedeutenden ukrainischen Kompo-
nisten und von M. Leontowytschs Zeitgenossen Kyrylo Stetsenko (1882–
1922) ins Leben berufen, der leider schon bald infolge einer Typhus-Erkran-
kung verstarb.
Zu den Gründern des Komitees zählten bekannte Persönlichkeiten
der ukrainischen Kultur jener Zeit: Künstler, Kunsthistoriker und Dich-
ter Yukhym Mykhajliw (1885–1935), der zum ersten Vorsitzenden des Ko-
mitees wurde, Journalist Oles Tschapkiwskyj (1884–1935) – Sekretär des
Komitees, Komponist Pylyp Kozytskyj (1893–1960) – stellvertretender Vor-
sitzender, sowie Volkskundler Klyment Kwitka (1880–1953), Kunstwis-
senschaftler und Philologe Dmytro Rewutskyj (1881–1941), Komponisten,
Chorleiter und bekannte Musiker wie Yakiw Stepowyj (1883–1921), Myko-
la Werykiwskyj (1896–1962), Grygorij Weriowka (1895–1964), Fedir Popa-
dytsch (1877–1943), Porfyrij Demutskyj (1860–1927), Wassyl Werkhovynets
(1880–1938), bereits als Lehrer von M. Leontowytsch erwähnter Boleslaw
Yaworskij (1877–1942), Borys Lyatoschynskyj (1895–1968), Felix Blumenfeld
6 Maiia Rzhevska, На зламі часів. Музика Наддніпрянської України першої
третини ХХ століття у соціокультурному контексті епохи [Am Wende-
punkt der Zeiten. Musik der Dnepr-Ukraine im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
im soziokulturellen Kontext der Epoche] (Кyjiw: Autograph, 2005), 208f.
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