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Skladateljska društva nekoč in danes | Composers’ Societies Past and Present
                 Die Tätigkeit der Musikgesellschaft sollte sich weitgehend an der
            „Massenkunst“ orientieren und dabei zwei Hauptrichtungen den Vorzug
            geben: Aufführung revolutionärer und volkstümlicher Lieder bzw. klassi-
            scher Werke zur revolutionären und heroischen Thematik und Einbezie-
            hung möglichst vieler Volksmassen in die Musikkunst. Von nun an betei-
            ligt sich die MLM aktiv am kulturellen Aufbau der Sowjetukraine, an der
            sozialistischen Bewegung und an der Organisation von musikalisch-päda-
            gogischen Massenveranstaltungen. Unter dem Druck der Machtstrukturen
            wird ein Kampf gegen „Apolitizismus und Formalismus”, für die Partei-
            zugehörigkeit der Musik und die Entwicklung einer internationalen Form
                                                                    20
            und eines sozialistischen Inhalts der Musikkultur geführt.  Die schritt-
            weise  Ausweitung  der  Beziehungen  zwischen  professionellen  Ensembles
            und amateurhaften Musikgruppen führte zur Umwandlung der Gesell-
            schaft in eine „massenhafte” musikalisch-gesellschaftliche Organisation.
                 Bis Anfang 1927 eröffnete und betrieb die Mykola-Leontowytsch-Mu-
            sikgesellschaft 69 Zweigstellen in der ganzen Ukraine, mit etwa 930 Mitglie-
            dern und 1013 Musikorganisationen, die aus Berufsmusikern und Amateu-
            ren bestanden, die in Schul- und Studenten-, Bauern- und Arbeiterchören
            und -ensembles, Kammer-, Blas- und Volksorchestern usw. auftraten. Die
            Gesellschaft registrierte 347 Bauernchöre, 211 Arbeiterchöre, 367 Schulchö-
            re, 82 Arbeiter- und Bauernorchester und 7 Berufschöre, sowie einige „mo-
            bile Quartette“ – die Vorfahren des berühmten Lysenko-Quartetts.  21
                 Bereits bei der Gründung trat der Gesellschaft als Vertreter der Musik-
            studenten Borys Lyatoschynskyj bei, künftig der größte Komponist der uk-
            rainischen Musikgeschichte der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fünf Jahre
            später entstand in Kyjiw unter dem Dach der Mykola-Leontowytsch-Mu-
            sikgesellschaft die Assoziation für zeitgenössische Musik der Ukraine, die
            Borys Lyatoschynskyj sowie die anderen in der Zukunft sehr bekannten
            ukrainischen Komponisten wie Lewko Rewutskyj oder Mykola Werykiw-
            skyj angehörten. Das wichtigste Ziel der Assoziation war es, die neusten
            Richtungen und Tendenzen der Musik zu erkunden und in die ukrainische
            Musik zu implementieren.
                 Gleichzeitig verschärfte sich die Lage der Mykola-Leontowytsch-Ge-
            sellschaft allmählich, was vor allem damit zusammenhing, dass auch die

            20   Ibid.
            21   Pylyp Kozytskyj, „Всеукраїнське музичне Т-во ім. Леонтовича в його минулому,
                 сучасному і в перспективах [Allukrainische Leontowytsch-Musikgesellschaft in
                 ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft]“, Muzyka, Nr. 5/6 (November–De-
                 zember 1927): 5.


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