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Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs
Kommunistische Partei der Sowjetunion immer weniger an der Politik der
„Ukrainisierung“ interessiert war. Das Erscheinen der Zeitschrift Muzy-
ka wurde 1926 vorübergehend eingestellt, stattdessen erschienen nur noch
sechs Nummern der „Ukrainischen Musikzeitung“. Die Formalisierung
des gesellschaftlichen Lebens des Landes innerhalb eines bestimmten poli-
tischen Rahmens führte zu einer klaren Festlegung der Rolle und Mission
der Kunst sowie der Künstler. Künstlerische Werke wurden als „Produk-
tion“ definiert, die Kunstschaffenden als deren „Produzenten“, welche ge-
sellschaftliche Aufträge zu erfüllen hatten. Ein weiteres Konzept, das die
Beziehungen zwischen Kunst und Gesellschaft regelte, war das der „Dienst-
leistung“, wobei diese Dienstleistungen bisweilen sogar unentgeltlich zu er-
bringen waren. So hieß es beispielsweise:
Zur Unterstützung der zweiten landwirtschaftlichen Aussaat organisi-
erte das Volkskommissariat des Staatlichen Akademischen Opern- und
Balletttheaters der Stadt Kyjiw freiwillige Konzertbrigaden zur Betre-
uung von Betrieben und Institutionen. Sämtliche Einnahmen aus den
Konzerten werden für die kulturellen Bedürfnisse der ländlichen Vo-
rorte und der nahgelegenen Dörfer bereitgestellt. 22
Im Oktober 1926 wurde das Präsidium der Mykola-Leontowytsch-Ge-
sellschaft nach Charkiw verlegt. Eine Gruppe von Komponisten der Charkiwer
Filiale warf der Leontowytsch-Gesellschaft offen vor, eine ukrainisch-nationa-
listische Linie zu verfolgen und von den Aufgaben der revolutionären proleta-
rischen Kunst abzuweichen. Trotz einer immer instabileren Lage und scharfer
Kritik erlebte die Gesellschaft im Jahre 1927 zwei absolute Höhepunkte ihrer
Tätigkeit: den ersten allukrainischen Komponistenwettbewerb, dessen ersten
Preis sich Lewko Rewutskyj für die 2. Symphonie und Borys Lyatoschynskyj
für die Ouvertüre über 4 ukrainische Lieder teilten, und die Organisation der
ukrainischen Exposition auf der Frankfurter Weltausstellung der Musik „Mu-
sik im Leben der Völker“ (im Rahmen des sowjetischen Pavillons).
Die Teilnahme der Ukrainischen SSR an der Weltausstellung der Mu-
sik in Frankfurt am Main wurde durch einen Beschluss des Volkskommis-
sariats für Bildung vom 12. Mai 1927 offiziell bestätigt. Zugleich wurde der
Plan für die Vorbereitung der Exponate genehmigt. Innerhalb von 13 Tagen
(vom 12. bis zum 25. Mai) wurden 391 Exponate gesammelt und an das Volks-
kommissariat des Allunionsverbandes für kulturelle Verbindungen mit
dem Ausland (Всесоюзное общество культурной связи с заграницей,
ВОКС) nach Moskau übermittelt, der die Ausstellung des ukrainischen
22 Zit. nach: Rzhevska, На зламі часів, 237.
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