Page 83 - Weiss, Jernej, ur./ed. 2026 Skladateljska društva nekoč in danes.../Composers’ Societies Past and Present...
P. 83
Aktivitäten der Lviver Abteilung des Komponistenverbandes der Ukrainischen SSR …
Unterhalt von Häusern des Schaffens (in der Ukraine war so ein Haus für
Komponisten in Vorzel, kleinen Kurort in der Nähe von Kiew) bestimmt,
wo sich Komponisten zurückziehen konnten, um Musik zu schreiben; für
die Organisation von Plenarsitzungen und Kongressen, bei denen nicht
nur Konzerte stattfanden, sondern auch recht üppige Bankette veranstal-
tet wurden; es gab eine Praxis der finanziellen Unterstützung der Mitglie-
der des Verbandes. Die Verbände vergaben auch Wohnungen an ihre Mit-
glieder, was in der Sowjetunion ein riesiger Vorteil war: Normale Bürger
mussten jahrzehntelange warten, um eine eigene Wohnung zu bekommen,
dabei konnten sie nicht selbst die Wohnung kaufen oder bauen. Dazu hat-
ten nur die Mitglieder des künstlerischen Verbandes eine reale Möglichkeit
ihre Werke zu veröffentlichen, zu publizieren, auf den Bühnen bzw. aufzu-
führen oder auf Ausstellungen zu präsentieren.
Die vierte Funktion der Verbände schließlich war die organisatori-
sche, die am besten geeignete und natürlichste Funktion jeder Institution
solcherart. Der zentrale Komponistenverband und die regionalen Verbän-
de verfügten über Musiksammlungen mit Notenschreibern, was in Er-
mangelung von Computern eine sehr wichtige Funktion war. Die Verbän-
de verfügten über Bibliotheken, in denen sie handschriftliche Kopien und
Editionen der Werke ihrer Mitglieder aufbewahrten.
Für Lviver Komponisten waren solche Funktionen eines künstleri-
schen Verbandes, vor allem die beiden ersten Funktionen, unverständlich
und völlig inakzeptabel – im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Ostuk-
raine, die bereits eine tragische Erfahrung der Unterdrückung durch das
kommunistische System erlebt hatten. Ganz andere Erfahrungen hatten
dagegen die Lviver Komponisten – Ukrainer und Polen. Die Mehrheit ab-
solvierte führende europäische Konservatorien und Universitäten in Wien,
Prag, Krakau, Paris usw. Nach ihrer Rückkehr nach Lviv traten sie auch den
künstlerischen Verbänden bei, wo ihr Hauptziel freie Äußerungen ihrer äs-
thetischen Sichten, interessante Diskussionen und die gemeinsame Arbeit
für die fruchtbare Entwicklung der Kultur waren. Im Jahr 1934 gründeten
ukrainische Musiker den Verband Ukrainischer Berufsmusiker, gaben die
Zeitschrift „Ukrainische Musik“ heraus, organisierten Konzerte, und nie-
mand schränkte ihre Initiative ein oder ordnete an, was und wie sie schaf-
fen sollten.
Daher war der neue modus vivendi für sie ein tiefer Schock, den die
Lviver Künstler erlebten und dann nach einem Ausweg suchten. Ein be-
deutender Teil begabter Musiker – Mitglieder des oben genannten Vereins,
83

