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Skladateljska društva nekoč in danes | Composers’ Societies Past and Present
fünf Minuten, während ihm eine große Träne über das Gesicht lief. „Du
bist nicht mehr mein Schüler“, sagte er noch leiser, “du vergeudest dein
Talent“. Das war das Ende unseres Unterrichts. 17
Dieses Beispiel veranschaulicht sehr deutlich, wie repressiver und
ideologischer Druck, dessen wichtigstes Instrument gerade die künstle-
rischen Verbände waren, den kreativen Willen besonders empfindlicher
Künstler brach. Natürlich wollte Skoryk nicht unter solchen Bedingungen
bleiben und zog bei der ersten Gelegenheit nach Kiew, wo er alle seine Ideen
viel freier umsetzen konnte. Erst 1988, am Vorabend der Unabhängigkeit,
kehrte er nach Lviv zurück. 1980 emigrierte Andrzej Nikodemowicz end-
lich nach Polen.
Die letzte Periode der Tätigkeit des Lviver Komponistenverbandes in
der UdSSR dauerte fast zwei Jahrzehnte, die 1970er und 80er Jahre. Sie kann
in zweierlei Hinsicht bewertet werden. Einerseits gab es zwar Repressionen,
aber nicht in einem so gigantischen Ausmaß, wie früher. Im künstlerischen
Bereich wurden vor allem Schriftsteller, Philosophen und Persönlichkei-
ten des öffentlichen Lebens verfolgt; im musikalischen Bereich waren die
Vertreter der Kiewer Avantgarde am stärksten betroffen, während die Lvi-
ver Musiker etwas weniger von dieser Plage betroffen waren. Andererseits
bestand die erstickende Atmosphäre des ideologischen Drucks weiter und
schränkte die künstlerische Freiheit erheblich ein.
Dennoch kann das Fehlen ausgeprägter modernistischer Artefakte als
ein gewisses Versäumnis und als eine Folge des ideologischen Drucks in
dieser Zeit betrachtet werden. Die Komponisten balancierten buchstäblich
auf Messers Schneide und griffen auf verschiedene indirekte, verschleier-
te Methoden des künstlerischen Ausdrucks zurück, um ihre eigenen Ideen
zum Ausdruck bringen zu können. Aber keiner von ihnen konnte es sich
leisten, die neusten avantgardistischen Techniken offen anzuwenden und
dadurch blieben die Lviver Komponisten meistens in den Rahmen der spät-
romantischen Stilistik, ganz selten sie überschreitend. Dieses Versäumnis,
mit den rein politischen Ursachen verbunden, musste von den Komponis-
ten der nächsten Generation korrigiert werden, die nach der Unabhängig-
keit aktiv am künstlerischen Leben der Ukraine teilnahmen.
Im Jahr 1983 endete Kos-Anatolskyjs Ära im Lviver Komponistenver-
band – und symbolisch begannen zu dieser Zeit allmählich tektonische
Verschiebungen in der Gesellschaft, die schließlich zum Zusammenbruch
17 Luba Kyyanovska. Мирослав Скорик: митець і людина [Myroslav Skoryk: der
Künstler und der Mensch], 2. Aufl. (Lviv: Verlag der Zeitschrift “Ji”, 2008), 68.
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