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Aktivitäten der Lviver Abteilung des Komponistenverbandes der Ukrainischen SSR …
            bereicherte in gewisser Weise seine Weltsicht. Die Eloquenz und die Ge-
            heimnisse der Rhetorik, die er als angehender Jurist beherrschte, halfen
            Anatol Kos-Anatolskyj später, unter sehr schwierigen Umständen überzeu-
            gende Argumente für die kommunistischen Behörden zu finden. Als Pia-
            nist studierte er bei Taras Schuchevytsch, einem Absolventen des Berliner
            Konservatoriums in der Klasse von Ernst Donaghy, dabei lernte er Mu-
            siktheorie und Komposition bei dem polnisch-jüdischen Professor Seve-
            ryn Barbag, der seinerseits bei Guido Adler und Josef Marx in Wien stu-
            diert hatte. Darüber hinaus nahm der junge Musiker Gesangsunterricht bei
            Odarka Bandriwska, der Nichte von Solomiya Kruschelnytska.
                 A. Kos-Anatolskyjs rednerisches Talent und diplomatisches Geschick
            sowie sein unübertroffener Sinn für Humor und seine innere Unabhängig-
            keit spielten eine entscheidende Rolle für seine Stellung unter dem kom-
            munistischen Regime. Es lohnt sich, auf einige Fakten zu achten, die von
            den Autoren der Memoiren über den Künstler, seine Verwandten und Kol-
            legen angeführt werden. Die bekannte Lviver Musikwissenschaftlerin Ste-
            fania Pawlyschyn liefert eine umfassende Analyse dieses sozio-psychologi-
            schen Phänomens:
                 Kos-Anatolskyjs diplomatisches Geschick war so groß, dass er Abge-
                 ordneter des Obersten Rates der Sowjetunion, des höchsten Regierun-
                 gsorgans des Staats, wurde, ohne Mitglied der Kommunistischen Par-
                 tei zu sein! Das war für einen westlichen Ukrainer unglaublich. Es war
                 uns unangenehm, dass er alle seine Reden mit einem Lob auf die Par-
                 tei beendete. In einem emotional-romantischen Anwaltsstil, der heute
                 nicht mehr existiert, steigerte er die Dynamik seiner Reden von einem
                 ruhigen leisen Beginn bis zu lauten Schlussrufen wie „Es lebe...!“. Aber
                 wenn man diese pathetisch übertriebene Intonation hörte, wunderte
                 man sich, dass die Parteiführung darin nicht Spott und Demütigung
                 statt Lob empfand, wie in den Schewtschenkos Zeilen „den Windhun-
                 den und den Jagdhunden und den Jägern und den unseren Vätern-Za-
                 ren... Ruhm!“ (in Anlehnung an das sarkastische Lob des russischen
                 Zaren im Schewtschenkos Poem „Traum“ – L. K.)    10
                 Diese seinen Talente kamen ihm gelegen, um den Kollegen-Kompo-
            nisten und anderen Vertretern der galizischen Intelligenz in den schwers-
            ten Lebensumständen kommunistischer Macht zu helfen. Kos-Anatolskyj

            10   Stefania Pawlyschyn, „Спогади про А.Кос-Анатольського“ [Erinnerungen an A.
                 Kos-Anatolskyj], in Анатоль Кос-Анатольський у спогадах сучасників [Anatol
                 Kos-Anatolskyj in Erinnerungen der Zeitgenossen], Hrsg. Taras Dubovny (Lviv: Az-
                 Art, 2009), 25.


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