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Skladateljska društva nekoč in danes | Composers’ Societies Past and Present
übernahm die Leitung kurz vor Stalins Tod und bald danach, mit Beginn
der Tauwetterperiode, begann eine dritte Periode der Tätigkeit des Kompo-
nistenverbandes, die – trotz manchen Vergünstigungen – auch als mehr-
deutig bewertet werden könnte. Die Jahre von 1956 bis Anfang der 1970er
sind allgemein als „die Chruschtschow-Tauwetterperiode“ bekannt, die in
der gesamten UdSSR das so genannte „Phänomen der sechziger Jahre“ her-
vorrief. Besonders ausdrucksvoll erschien das Phänomen „der Generation
der 60er“ in der Ukraine. Auch die Aktivitäten des Lviver Komponisten-
verbands nahmen eine neue Richtung an. Diese Zeit war mit bedeutenden
Leistungen verbunden.
Kos-Anatolskyj initiierte eine Kampagne für die Freilassung und spä-
tere Rehabilitierung von V. Barwinskyj. Gleich nach dem XX. Parteikon-
gress 1956 und der Enthüllung des „Kultus von Stalin“ schickten Mitglie-
der des Lviver Komponistenverbands ein offizielles Schreiben an das Lviver
Regionalkomitee der Kommunistischen Partei der Ukraine: Das Schrei-
ben wurde vom Vorsitzenden des Verbands, A. Kos-Anatolskyj, und den
Vorstandsmitgliedern S. Ludkevytsch, M. Kolessa, J. Kozak und anderen
unterzeichnet.
Wir hoffen, dass das Lviver Regionalkomitee der Kommunistischen
Partei der Ukraine beim Präsidium des Oberstrats eine Petition einre-
ichen wird, um Barwinskyj Amnestie zu gewähren und ihm zu erlau-
ben, nach Lviv zurückzukehren und seine Arbeit für die Entwicklung
der ukrainischen Sowjetmusik fortzusetzen. 11
Auf der Sitzung der Mitglieder des Lviver Verbandes (Juni 1958) wur-
de auf Initiative von A. Kos-Anatolskyj einstimmig beschlossen, Vasyl Bar-
winskyj wieder in den Verband aufzunehmen. Es ist bemerkenswert, mit
welchen Worten der Vorsitzende die Rechtfertigung seines Kollegen beklei-
det: ein echtes Meisterstück der Rechtsanwaltskunst, aber dabei mit dem
verhüllenden Sarkasmus.
Als Vorsitzender des Lviver Komponistenverbandes bringe ich meine
große Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass unser Kollektiv mit
einem der prominentesten und ältesten ehemaligen Mitglieder, einer
der bedeutendsten Persönlichkeiten der Musikkultur in der Westukra-
ine, einem hochrangigen Fachmann, unserem nie zu vergessenden Le-
hrer V. Barwinskyj, wieder aufgefüllt wird. In Kenntnis des talentvollen
11 Ludomyr Filonenko, „Сторінками «особової справи» Василя Барвінського [Seiten
aus der „Personalakte“ von Vasyl Barwinskyj]“, Ukrainische Musik, Quartalszeitschrift
von der Lviver Nationalen Musikakademie „Mykola Lyssenko“ 30, No. 4 (2018): 79.
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