Page 107 - Weiss, Jernej, ur./ed. 2026 Skladateljska društva nekoč in danes.../Composers’ Societies Past and Present...
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Über den Bezirksverband Leipzig des Verbandes der Komponisten  …
                 Der Konzertverlauf ging so vor sich: daß ein kleiner Teil applaudierte,
                 ein Teil buh rief und andere schwiegen[.]
                 Dr. Wolf traf nach dem Konzert mit Herrn Kegel und der Brigade Juri
                 Gagarin für eine halbe Stunde zusammen, um über das Gehörte zu dis-
                 kutieren. Die Brigademitglieder lehnten das Stück ab. Herr Kegel mein-
                 te dazu, die 9. Sinfonie wäre auch nicht gleich verstanden worden, man
                 müsste das Stück mehrmals hören können. Dr. Wolf bat die Brigademi-
                 tglieder, den [sic] Komponistenverband in die Hände zu legen, daß sie
                 gemeinsam zwischen dem 1. und 3. April mit dem Band nach Espenha-
                 in kommen und mit Herrn Schenker, Vorstandsmitgliedern, über diese
                 Komposition noch einmal diskutieren werden.
                 Um Herrn Schenker auf den Teppich zu bringen, möchte der Ver-
                 band Herrn Kegel das aus der Hand nehmen und hier verantwortlich
                 zeichnen.

                 [Unterschrift Dähne]

                 Die Konzertberichterstattung in den Zeitungen der DDR fiel entspre-
            chend zwiespältig aus. In der Leipziger Volkszeitung erschien am 18. März
            1971 unter dem Titel „Vom Messekulturgeschehen. Problematische Urauf-
            führung“ ein Artikel von -lf (Werner Wolf):

                 Eins vermochte der junge Leipziger Komponist Friedrich Schenker […]:
                 Er löste spontan Diskussionen aus. Das wurde schon an der der sehr
                 verschiedenartigen Publikumsreaktion währen der Aufführung deut-
                 lich, mehr noch durch die starken Buh-Rufe, die sich in den Beifall für
                 den- auf dem Podium erscheinenden Komponisten mischten […]
                 Das Stück zeugt innerhalb der vom Komponisten selbst gesteckten
                 Grenzen von Einfallsreichtum, Klangsinn und Expressivität. Doch hier
                 beginnen die Fragen […]

                 Das […] Stück soll den hervorragenden Instrumentalisten als Virtuo-
                 sen  durch  Soli  wie  Zusammenspiel  mannigfache  virtuose  Aufgaben
                 stellen, auch negative Seiten der Virtuosität aufdecken, auf Gefahren
                 hinweisen. […] Zumindest die ersten Eindrücke wecken trotz mancher
                 Unterschiede zu starke Assoziationen zu westlich orientierten Stücken,
                 die einseitig von der Absicht des Schockierens oder kaum zielgerichte-
                 ten Provozierens ausgehen. Da ist schon einmal die Begrenztheit, aber
                 auch die Verbrauchtheit der gewählten Mittel zu bedenken. Ihre Be-
                 grenztheit zeigt sich vor allem im Hinblick auf die viel weitergehenden
                 Aufgaben, die das Leben und die Entwicklung unserer Republik den
                 Künstlern stellen.


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