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Über den Bezirksverband Leipzig des Verbandes der Komponisten  …
                 Das Sächsische Tageblatt, die Tageszeitung der LDPD (Liberal-Demo-
            kratische Partei Deutschlands), brachte am 24. März 1971 den Artikel „Or-
            chesterkonzerte zur Messe. Umstrittene Uraufführung beim Rundfunk“:

                 Die Mittel, die er hier [Friedrich Schenker in seinem „Stück für Virtuo-
                 sen“] anwendet sind hart, klanglich von einer direkten, zupackenden
                 Robustheit, die oft die Grenzen des Erträglichen streift. Dem Zuhörer,
                 der von dieser Musik geradezu überrollt wird, ist es kaum möglich, die
                 formale Struktur des knapp viertelstündigen Werkes zu erfassen. Zu vi-
                 ele Eindrücke stürmen auf ihn zu, zu amorph erscheint das äußere Bild
                 dieser Partitur. […] So waren die unüberhörbaren Bekundungen des
                 Mißfallens in einer bisher kaum erlebten Ausprägung ein deutliches,
                 dem Komponisten reichlich Anlaß zum Nachdenken gegebenes Mene-
                 tekel. Denn die Frage, für wen er schreibt, stellt sich auch für Schen-
                 ker wie für jeden in unserer sozialistischen Gesellschaft schöpferisch
                 Tätigen.

                 Damit hatte die Parteigruppe des Bezirksverbandes Leipzig des Ver-
            bandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler reichlich An-
            lass zur Bewältigung. Sie bezog am 29. März 1971 Stellung, indem sie darauf
            hinwies, dass Werke Schenkers bereits häufig Kritik hervorgerufen hatten,
            und er „nachdrücklich auf die Fragwürdigkeit seiner Haltung hingewiesen“
            worden war. Leider sei festzustellen,

                 daß er die ernsthaften Hinweise seiner Kollegen und des Bezirksse-
                 kretärs bisher nicht beachtete, sondern weiterhin jenen von uns wie-
                 derholt kritisierten Weg des Experiments mit Mitteln des spätbürger-
                 liche Modernismus um deren selbst Willen fortsetzt. Das beweist, daß
                 Schenker sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Komponist
                 in unserer Gesellschaft nicht bewußt geworden ist. Wir sind nach wie
                 vor entschlossen, alle Möglichkeiten der marxistisch-leninistischen Bil-
                 dung unserer Mitglieder zu nutzen, um die wichtige Rolle der Kunst in
                 der sozialistischen Gesellschaft zu behandeln und allen Kollegen immer
                 wieder bewußt zu machen. […] Offenbar finden solche Werke bei ei-
                 nigen Interpreten und Veranstaltern in einem Maße Interesse, welches
                 nicht ihrer realen Bedeutung für die Entwicklung einer sozialistischen
                 Nationalkultur entspricht. […]
                 Schließlich müssen wir die Frage stellen, ob wir auf dem gegenwärtig
                 für die Klassenauseinandersetzung so äußerst wichtigen und vom Klas-
                 sengegner besonders bevorzugten Sektor der Kulturpolitik tatsächli-
                 ch die Macht ausüben, […] das „Stück für Virtuosen“ vom Programm
                 abzusetzen.


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