Page 109 - Weiss, Jernej, ur./ed. 2026 Skladateljska društva nekoč in danes.../Composers’ Societies Past and Present...
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Über den Bezirksverband Leipzig des Verbandes der Komponisten …
Das Sächsische Tageblatt, die Tageszeitung der LDPD (Liberal-Demo-
kratische Partei Deutschlands), brachte am 24. März 1971 den Artikel „Or-
chesterkonzerte zur Messe. Umstrittene Uraufführung beim Rundfunk“:
Die Mittel, die er hier [Friedrich Schenker in seinem „Stück für Virtuo-
sen“] anwendet sind hart, klanglich von einer direkten, zupackenden
Robustheit, die oft die Grenzen des Erträglichen streift. Dem Zuhörer,
der von dieser Musik geradezu überrollt wird, ist es kaum möglich, die
formale Struktur des knapp viertelstündigen Werkes zu erfassen. Zu vi-
ele Eindrücke stürmen auf ihn zu, zu amorph erscheint das äußere Bild
dieser Partitur. […] So waren die unüberhörbaren Bekundungen des
Mißfallens in einer bisher kaum erlebten Ausprägung ein deutliches,
dem Komponisten reichlich Anlaß zum Nachdenken gegebenes Mene-
tekel. Denn die Frage, für wen er schreibt, stellt sich auch für Schen-
ker wie für jeden in unserer sozialistischen Gesellschaft schöpferisch
Tätigen.
Damit hatte die Parteigruppe des Bezirksverbandes Leipzig des Ver-
bandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler reichlich An-
lass zur Bewältigung. Sie bezog am 29. März 1971 Stellung, indem sie darauf
hinwies, dass Werke Schenkers bereits häufig Kritik hervorgerufen hatten,
und er „nachdrücklich auf die Fragwürdigkeit seiner Haltung hingewiesen“
worden war. Leider sei festzustellen,
daß er die ernsthaften Hinweise seiner Kollegen und des Bezirksse-
kretärs bisher nicht beachtete, sondern weiterhin jenen von uns wie-
derholt kritisierten Weg des Experiments mit Mitteln des spätbürger-
liche Modernismus um deren selbst Willen fortsetzt. Das beweist, daß
Schenker sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Komponist
in unserer Gesellschaft nicht bewußt geworden ist. Wir sind nach wie
vor entschlossen, alle Möglichkeiten der marxistisch-leninistischen Bil-
dung unserer Mitglieder zu nutzen, um die wichtige Rolle der Kunst in
der sozialistischen Gesellschaft zu behandeln und allen Kollegen immer
wieder bewußt zu machen. […] Offenbar finden solche Werke bei ei-
nigen Interpreten und Veranstaltern in einem Maße Interesse, welches
nicht ihrer realen Bedeutung für die Entwicklung einer sozialistischen
Nationalkultur entspricht. […]
Schließlich müssen wir die Frage stellen, ob wir auf dem gegenwärtig
für die Klassenauseinandersetzung so äußerst wichtigen und vom Klas-
sengegner besonders bevorzugten Sektor der Kulturpolitik tatsächli-
ch die Macht ausüben, […] das „Stück für Virtuosen“ vom Programm
abzusetzen.
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